Die in der Stadtratssitzung am 25. September 2008 vorgelegten Alternativen, an der Realschule eine zusätzliche Einfachturnhalle durch die Stadt zu errichten, zeigen deutlich, daß der Standort beengt ist und eine zusätzliche Einfachturnhalle fast mehr Probleme aufwirft, als sie (schul- und vereinssportbezogen) lösen kann.
Zunächst ist festzuhalten, dass der Landkreis als Schulträger der Realschule bis heute keinen Bedarf nach weiteren Schulsportkapazitäten sieht, sprich die vorgelegte Maßnahme als nicht notwendig beurteilt. Dann legen Bürgermeister und Stadtverwaltung zwei Alternativen vor, die zumindest bei den Baufachleuten erkennbares Unbehagen auslösen. Die von der neuen Mehrheit favorisierte Lösung, an der bisherigen Einfachturnhalle eine zweite Einheit zum Kreuzungsbereich hin "anzudocken", ragt - um überhaupt eine vernünftige Größe zu erreichen - über den schmalen Grünstreifen in den heutigen Gehweg hinein, verengt den bestehenden Gehweg, macht eine Verlegung der Bushaltestelle erforderlich und setzt einen - städtebaulich unschönen - Klotz vor das Schulgebäude genau an den Rand des Kreuzungsbereichs (Burgstaller Weg/Hans-Maier-Straße).
In den vergangenen Jahren haben alle Fraktionen die schwierige Verkehrssituation genau in diesem Areal bemängelt - alles kein Problem mehr? Die Innenmaße der Halle erlauben Bodenturnen, Gymnastik und "platzsparende" Ballsportarten - offiziell wettkampftaugliche Feldgrößen sind faktisch nicht möglich. Die Unterbringung von Schulsportgerät bleibt auch mit einer zweiten Einfachturnhalle sehr beengt. Diese Entscheidung ist letztlich Sache der Schulleitung; die Realschüler würden sich zumindest Wege- und Fahrzeiten zu den (großen) Turnhallen in das Schulgelände Süd sparen.
Für die zweite Einfachhalle wird mit einer Verbesserung für Schul- wie Vereinssport argumentiert. Die Sportvereine selbst haben sich dazu kaum geäußert. Wenn die Realschule die zweite Einfachhalle nutzt, sind Zeiten am Burgstaller Weg frei. Nach Abzug der FIS sind beim KCH Kapazitäten frei. Wenn adidas die Multifunktionshalle auf der Herzo-Base baut, sind dort auch zusätzlich Kapazitäten verfügbar, für welche die Stadt ihr Interesse als Nutzer (etwa 1/3 der Nutzungszeiten) angemeldet hat, um z.B. Wettkämpfe und größere Veranstaltungen unterzubringen - eine vernünftige Lösung für alle Seiten. Beim Gespräch der Stadtverwaltung am 15. September mit den Vereinen zur Anpassung der Vereinsförderung haben die Vereine sachlich auf bestehende Probleme hingewiesen - aber massive Forderungen nach einem weiteren Sportstättenausbau wurden nicht gestellt. Die Vereine mit großen Anlagen und Plätzen haben heute schon genug zu tun, um ihre Anlagen zu unterhalten; auf mittlere Sicht sind v.a. Sanierungen und Instandhaltungsmaßnahmen absehbar.

Natürlich ist die Einfachturnhalle auch Inhalt von Wahlversprechen. Wenn Bürgermeister und SPD das jetzt einlösen wollen, ist das nicht ehrenrührig - im Gegenteil. Es zeigt aber, daß der alte Standort aus räumlichen Gründen einfach schwierig ist und bleiben wird. Der Landkreis als Träger schweigt zur zusätzlichen Einfachturnhalle. Für den Schulsport ist das nicht nachvollziehbar. Die Stadt übernimmt aber freiwillig Aufgaben des Landkreises - in Größenordnung von einer Million Euro. Der Hinweis auf Mieteinnahmen für die Schulsportnutzung überzeugt dabei nicht - erstens sind diese Mieten nicht kostendeckend und zweitens werden diese Einnahmen nur von der linken (bisher genutzte Halle) auf die rechte Hosentasche (neue Halle) umgebucht.
Die mühsamen Versuche, die Einfachturnhalle als vernünftige Problemlösung zu verkaufen und die allergischen Reaktionen auf Kritik sprechen für sich. Die Dakota-Indianer haben dazu eine klassische Lebensweisheit parat: "Wenn Du merkst, daß Du ein totes Pferd reitest - steig ab."
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Dr. Horst Körner
Fraktionsvorsitzender


